Heidelberger Fachseminar ganz im Zeichen unternehmerischer Ethik

Mit sozialer Verantwortung beim Verbraucher punkten / Wild-Gruppe will an die Börse

von Monika Busch

von Timur Dosdogru, Fotos: dgw

Nicht nur Verantwortung für die Produkte übernehmen, sondern auch für die Gesellschaft – dass vor allem auch dieser Faktor für den Erfolg eines Unternehmens steht, war Tenor des diesjährigen Heidelberger Fachseminars der Rudolf Wild GmbH & Co. KG, Heidelberg-Eppelheim.

Das Interesse am Schwerpunktthema „Corporate Commitment“ und an den neuen Trends der Getränkeindustrie war mit über 500 Repräsentanten der Lebensmittel- und Getränkeindustrie aus 51 Ländern recht groß. „Unternehmerische Verpflichtung: Innovation, Gesundheit und hervorragender Geschmack“ war das Motto des diesjährigen „Wild-Seminar“, wie es im inoffiziellen Teilnehmerjargon seit vielen Jahren heißt – alles hoch positiv besetzte Themen.
Gefehlt hätte zu dieser Vortragsreihe eigentlich nur noch der Papst, wie schon im Auditorium gewitzelt wurde, aber mit Dr. Richard von Weizäcker, Bundespräsident a. D. der Bundesrepublik Deutschland, trotz Politikerkarriere seit Jahrzehnten ein seriöser Repräsentant in Sachen Ethik und Wertevermittlung, hatten die Veranstalter zum Thema „Markt, Ethik und Unternehmenskultur“ auch eine gute Wahl getroffen. So war denn auch der Applaus groß, als der Altbundespräsident die Bühne betrat, nachdem er die Lobeshymnen seiner Vorredner hinsichtlich seiner Person angehört hatte, und bescheiden forderte: „Lassen Sie uns wieder auf den Boden der Tatsachen kommen.“ Dass „Marktwirtschaft nicht immer eine Quelle sprudelnder Ethik“ sei, ist zwar im Prinzip nichts Neues, aber aus dem Mund einer Persönlichkeit vom Schlage von Weizäckers klang es doch irgendwie nach mehr Gewicht. „Ohne Ethik kein Markt“, brachte er es bereits gleich einleitend auf den Punkt. In Deutschland habe sich eine „Unternehmens-Un-Kultur“ breit gemacht, bei der die Wirtschaft abwandere und das Volk zurückbleibe. „Früher hatten wir mal eine ,Volkswirtschaft’“, so der Ex-Politiker, „wo bleibt da das Mindestmaß an Gerechtigkeit?“ Weniger sei der Kommunismus die größere Bedrohung einer freien Gesellschaft als der „unethische Kapitalismus“.
„Unethisch“ handele beispielsweise ein international agierender Zeitungsverlag (wörtlich: Springer), der in verschiedenen Ländern über seine Blätter wegen der Auflage – je nach örtlicher Stimmung – Ressentiments gegen Nachbarländer bediene, wie auch der Konzern, der seinem Vorstandschef nach erfolgtem Verkauf der Firma das Gehalt verdoppelt (wörtlich: Mannesmann). „Das wirklich Wichtige in unseren Demokratien ist das Maß der unternehmerischen Verantwortung, der sozialen Verantwortung jedes Einzelnen“, erinnerte von Weizäcker, „das soziale Band der Menschen ist ein zentraler Teil unseres Lebens, solche Werte werden nicht an der Börse gehandelt.“ Der Begriff Ethik sei vielfach zu gespreizt, so von Weizä-

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 11/12/2007