Immer mehr Kartonverpackungen – Deutschland Spitzenreiter in Europa

von Timur Dosdogru
Pralinen, Pizzen oder Pillen – wenn es um Kartonverpackungen geht, ist Deutschland Spitzenreiter in Europa. Mittlerweile machen Verkaufsverpackungen aus Papier und Karton laut Gemeinschaftsausschuss Deutscher Verpackungshersteller (GADV) hier zu Lande die Hälfte aller Verpackungen aus, deutlich vor Kunststoff- (24 Prozent), Glas- (18 Prozent) und Metallverpackungen (8 Prozent).

In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage kontinuierlich angestiegen, in 2006 wuchs der Absatz um knapp fünf Prozent auf rund 1,3 Millionen Tonnen Karton.
Bereits im Vorjahr war die Bundesrepublik mit einer Steigerung von vier Prozent wachstumsstärkster Karton-Nachfrager in der EU gewesen. In den übrigen Ländern, wie beispielsweise Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden, wurde 2005 noch ein Rückgang verzeichnet. Mittlerweile ist die Nachfrage in Frankreich wieder angestiegen, während in Großbritannien der Abwärtstrend immerhin gestoppt werden konnte. Insgesamt konnte für Europa ein Absatzplus von 2,4 Prozent auf knapp fünf Millionen Tonnen Kartonverpackungen verbucht werden. Die deutschen Hersteller führen ihren Rekord vor allem auf die Innovationskraft in der Weiterverarbeitung und Veredelung des Materials Karton sowie auch auf den hohen Qualitätsstandard und die Flexibilität der weiterverarbeitenden Branche zurück. Eine weitere Rolle spiele zudem die Nachhaltigkeit des Materials Karton, heißt es weiter, weshalb die Branche auch künftig mit steigenden Absatzzahlen für Papier und Karton rechnet. Allein für Westeuropa wird von einem jährlichen Zuwachs von zwei Prozent ausgegangen, für die Zukunftsmärkte Asien und Osteuropa ist sogar von einer mindestens doppelt so hohen Wachstumsrate die Rede. In Russland, beispielsweise, soll sich der Pro-Kopf-Verbrauch bis zum Jahr 2020 um mehr als 150 Prozent, in China um 100 Prozent erhöhen. Für Deutschland wird bis dahin mit einer Steigerung von immerhin noch sechs Prozent gerechnet. Hier zu Lande sieht sich auch die mittelständisch geprägte Faltschachtel-Industrie mit ihren knapp 13.000 Beschäftigten in etwa 170 Betrieben vor dem Hintergrund einer steigenden Nachfrage nach Papier und Karton für die Zukunft gut gerüstet.
Sorgen bereiten den Herstellern einzig die auf breiter Front drastisch gestiegenen Preise für Energie und Rohstoffe. Der Holzpreis habe sich aufgrund steigender Nachfrage allein im vergangenen Jahr zum Teil verdoppelt, heißt es, wegen der subventionierten Verbrennung des Rohstoffs in Biomassekraftwerken. Diese Preissteigerungen hätten die Produktivitätsverbesserungen der Faltschachtelhersteller verschlungen, heißt es aus der Branche. In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch an Faltschachteln bei über sieben Kilo, davon entfallen 58 Prozent auf Food-Verpackungen und 42 Prozent auf Non-Food-Verpackungen. Im Bereich Food sind die Tiefkühlwaren mit 27 Prozent führend, der Rest verteilt sich Süßwaren (15 Prozent), Getränke (14) und Frühstücks-Cerealien (11).
Im Bereich Non-Food stellen pharmazeutische Produkte mit 23 Prozent den derzeit größten Teil der Verkaufsverpackungen, darauf folgen Kosmetika (15 Prozent) und Zigaretten (14) – erstere mit steigender, letztere mit fallender Tendenz.
Die gestiegene Bedeutung der Branche war auch beim 7. Pro Carton Fachkongress im März diesen Jahres spürbar. Noch nie seien so viele Markenartikler unter den Teilnehmern gewesen, heißt es seitens der Veranstalter, weil immer mehr Marketingexperten daran interessiert seien, die Eigenschaften und Wirkdimensionen von Verpackungen für ihre Markenkommunikation zu nutzen.
So stand bei der diesjährigen Veranstaltung der bislang einmalige Ansatz „Neuromarketing“ in Verknüpfung mit „Packaging“ im Mittelpunkt. Denn, nur wer versteht, was Kauf- und Genussimpulse im Gehirn bei Verbrauchern auslösen, kann sozusagen „gehirngerecht“ verpacken und sich entscheidende Vorteile zur Sicherung künftiger Markterfolge schaffen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt schon länger zunehmend erfolgreich auch die Glasindustrie.