Sinnlicher Genuss aus Glas

Hochwertige Symbiose aus Verpackung und Inhalt

von Timur Dosdogru, Fotos: dgw

„Bei Glas gibt es keine Mogelpackung“, so die „durchsichtige“ Erkenntnis auf dem „Genusstag“ genannten Event, zu dem das Magazin essen & trinken und das Aktionsforum Glasverpackung ins „bauwerk köln“ im Vorfeld der Verbrauchermesse Eat’n Style eingeladen hatten – ein Stelldichein nicht nur der Behälterglasindustrie, die sich nicht erst seit der Erfindung von Karton- und Kunststoffverpackungen als Bewahrer authentischer und emotional ansprechender Behältnisse sieht.

Die wachsende Bedeutung von Karton- und PET-Verpackungen in der Getränkeindustrie, die zunehmende allgemeine Discountisierung und auch Irrungen und Wirrungen in der Geschichte der deutschen Verpackungsverordnung haben die Behälterglashersteller in den letzten Jahren zunehmend in Bedrängnis gebracht. Andererseits propagierten viele Marktforscher bereits seit Mitte vergangenen Jahres wiederum einen wachsenden Trend zu Qualität entgegen der Geiz-ist-geil-Mentalität und die Sehnsucht nach althergebrachten Werten – hier sieht die Glasindustrie ihre Chancen, weil der Verbraucher trotz allem noch Glas als ansprechende und vor allem (hoch-)wertige Verpackung sieht. Und: Im Einwegbereich steigen die Zahlen für Glas wieder an (siehe dgw 10/06) – sogar im Discountbereich. Dies bestätigten auf dem Genusstag Trendforscher wie auch Designer, was sich vor allem am zunehmenden Retro-Trend zeige. Zu kommunizieren gilt es also trendbegleitende Werte wie Gesundheit, Ernährung, Design, Verpackungsqualität und – Genussgewinn.

Deutsche Koch-Historie seit Kaisers Zeiten: Bananenscheiben in Käse gewickelt?

Zwar beschreibt Arabelle Stieg von der Redaktion essen & trinken die heimische Koch-Historie „seit Kaisers Zeiten“ mit dem kulinarischen Höhepunkt „Bananenscheiben in Käse gewickelt“, sieht aber Hoffnung in der beumfragten Tatsache, dass für jeden zweiten Deutschen (40 Prozent) der Genuss mit Essen und Trinken verbunden sei – dies aber lieber selbt kochender Weise zuhause und mit Freunden. Und, als weiteres Fazit: „Glas ist dabei unverzichtbar.“ Erst dann folgen laut einer repräsentativen Umfrage des Instituts USUMA mit deutlichem Abstand Freizeit, Hobbys und Sport, auch das reine Zusammensein mit Freunden und Familie wird erst an vierter Stelle genannt und überraschenderweise nur von 37 Prozent als genussvoll empfunden. Andere Freizeitbeschäftigungen spielen kaum eine Rolle: Nur jeder Fünfte empfindet beim Museums- oder Theaterbesuch Genuss, bei Partys sind es nur 15 Prozent, auf das Shoppen als Genussfaktor kommen nur elf Prozent der Befragten.

Essen als Genussfaktor

Wenn die Bundesbürger dann schließlich essen gehen, bevorzugen sie in absteigender Reihenfolge italienische (39 Prozent), deutsche (29) und chinesische Restaurants (22). Ganz hinten in der Gunst der Deutschen stehen mit 13 Prozent französische Restaurants. Generell gehen aber nur 25 Prozent der Deutschen am liebsten auswärts essen – der größte Teil bleibt lieber zuhause um gemeinsam mit Freunden zu kochen und zu essen.
Und damit gelangt man schnell zu der in diesem Zusammenhang wichtigsten Frage – dem Ambiente. Eine festliche Tafel mit „Pappgeschirr und Plastikflaschen“ – nicht nur für Michael G. Prechtl, Präsident der Fachvereinigung Behälterglas e. V., ein glasloses Horrorszenario. Damit steht der Verbandschef nicht allein da: Für 93,7 Prozent der Befragten ist das Trio Geschirr, Gläser und Besteck absoluter Spitzenreiter als Genussbringer und drei von vier Befragten sind der Meinung, ein genussvolles Essen ohne Getränke in Glasflaschen und Gläsern sei undenkbar. So wundert es nicht, dass neun von zehn Befragten sich zum Essen „angenehme Musik“ wünschen und dass die Glasflasche den Genuss steigert. Bei Fruchtsaft und Wein befinden dies 84 Prozent, bei Sekt (76 Prozent) und bei Bier (65 Prozent). Für 97 Prozent erfährt der Genuss insgesamt eine Steigerung, wenn die Getränke im Glas serviert werden. Lediglich fünf Prozent erweisen sich als absolute Genussmuffel – schnell und billig soll es sein, während die meisten die Variante „gesund und natürlich“ bevorzugen“ und jeder Sechste am liebsten sogar „exklusiv und genussvoll“ zu speisen wünscht.

Abendessen: Der Deutschen Heiliger Gral

Das Abendessen erweist sich dabei sozusagen als der Deutschen Heiliger Gral – 83 Prozent genießen es besonders, wohingegen Mahlzeiten unterwegs überwiegend als Nahrungsaufnahme verstanden werden. Dem kann nur jeder Fünfte als Genuss etwas abgewinnen. Nur – oder besser gesagt immerhin – neun Prozent sind in der Lage, sogar eine Mahlzeit am Stehimbiss zu genießen. Und der germanische Freiheitsdrang gipfelt von jeher in der Aussage, dass 70 Prozent der Deutschen für Mahlzeiten im Freien schwärmen.

Studie: Glasgefäße steigern messbar den Genussfaktor

Mittlerweile sind die Genussfaktoren schon teilweise naturwissenschaftlich streng erforscht, wie Professor Henner Ertel vom Institut für Rationelle Psychologie bestätigt. Sein Fazit: Die Glasflasche sorgt bei Fruchtsäften tatsächlich für ein gesteigertes Geschmackserlebnis, während Verpackungen aus PET und Karton den Genuss reduzieren. Über 1000 Teilnehmer einer Studie mussten Fruchtsäfte aus verschiedenen Verpackungen trinken: Originalflasche, beziehungsweise -karton, anschließend aus einem neutralen Pappbecher. Um den individuellen Genusswert zu messen, wurden den Teilnehmern die Getränke in einem zusätzlichen Kontrolltest „anonym“ angeboten – ohne dabei zu wissen, um welche Marke es sich handelte. Aus den Unterschieden zwischen den verschiedenen Tests ergab sich dann der jeweilige Genusswertgewinn oder -verlust. Mit Elektroden wurden bei den Teilneh…

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 01/02/2007