Spirituosen machen wieder Freude… nicht immer, aber immer öfter

Longdrinks und Cocktails im Trend

von Monika Busch

„Ungebrochene Lust am bewussten und maßvollen Genuss von Spirituosen hier zu Lande“, lautet das Resümee des Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e.V. für das Jahr 2006.

Weltweit liegt nach Ergebnissen der International Wine & Spirits Record, London (IWSR) Deutschland mit einem statistischen Pro-Kopf-Verbrauch von 5,5 Litern Fertigware auf Platz 45. Europaweit belegt demnach Deutschland Rang Elf. Damit liegt Deutschland im Jahr 2005 gemäß den absoluten Verbrauchszahlen laut IWSR mit 5,5 Liter Fertigware und 5,7 Liter laut Ifo-Institut im weltweitem Vergleich im unteren Drittel. Weltweiter Spitzenreiter mit 27,1 Liter Pro-Kopf-Verbrauch Fertigware sind die US Jungferninseln, gefolgt von Südkorea mit 25,3 Liter und der Russischen Föderation mit 19,9 Liter. An der Spitze in Europa steht Estland mit 18,6 Liter.
Hier zu Lande machen Spirituosen Herstellern und Handel wieder Freude. Die Spirituosen-Teilmärkte zeigen unterschiedliche Entwicklungen. Die klaren Spirituosen konnten ihre Position in den letzten Jahren ausbauen, braune Spirituosen verloren an Menge und Wert. Für den LEH sind die Spirituosen nach wie vor als Frequenzbringer und Kundenmagnet von Bedeutung. Laut Information Resources, Nürnberg (IRI), wurde in den ersten acht Monaten 2006 im LEH inklusive Aldi ein Umsatz von über 2,1 Milliarden Euro erzielt, gegenüber 2005 ein Plus von ein Prozent. Eine Stärke der Spirituosen ist die Vielfalt – ob pur, als Cocktail oder Longdrink. 2006 zählten zu den volumenmäßig größten Segmenten Liköre, klare Spirituosen und Weinbrände. Im LEH konnten Halbbitterliköre, Wodka, Rum, Sahneliköre, Ouzo, Cachaça und Whisk(e)ys punkten.

MaxXium in der Pole Position

„Insgesamt konnten wir, entgegen dem allgemeinen Trend im Spirituosenmarkt, unseren Absatz in 2006 um 4,5 Prozent steigern und damit bereits im fünften Jahr in Folge ein deutliches Wachstum erzielen“, lautet der Kommentar von MaxXium-Geschäftsführer Ingo Schier. Die MaxXium Deutschland GmbH mit Sitz in Wiesbaden meldet für ihre Marke Absolut Vodka eine Absatzsteigerung um 23,2, Prozent. Aufgrund des guten Geschäftsjahres 2006 bezeichnet sich die Vertriebsgesellschaft für Premiumprodukte im Segment Spirituosen und Champagner als Nummer Eins im deutschen Spirituosenmarkt.
Erzielt wurde ein Gesamtumsatz von 405 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Plus 133 Prozent. Der stolze Zuwachs liegt wesentlich begründet in der abgeschlossenen Integration des Vertriebs der übernommen Allied Domecq Marken, wie Kümmerling, Metaxa, Bols und Tullamore Dew. Zudem sei es dem Unternehmen durch straffes Kostenmanagement gelungen, den steigenden Preisdruck des LEH weitestgehend zu kompensieren.
Für das laufende Jahr steht für Geschäftsführer Schier die Volumenstabilisierung bei gleichzeitigem Umsatzwachstum auf der Agenda. Der angepeilte Geschäftserfolg soll zudem mit Innovationen forciert werden, wie beispielsweise Absolut Ruby Red oder Bols Sour Apple.
Mit der Einführung von Malteser Bitter will man „vieles auf den Kopf stellen, was man bisher mit Bitter assoziierte”. Mit 35 Volumenprozent, aus einer sieben Kräuter- Kombination und Gewürzen sowie Zitronen- und Pomeranzenschale und Sternanis habe beim vergleichenden Geschmackstest Malteser Bitter überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt. Das Produkt in der klassisch-eleganten Flasche mit den Farben Schwarz, Rot und Silber wurde ausschließlich für den deutschen Konsumenten entwickelt. Partizipieren soll der jüngste Zuwachs vom Erfolg und Know How des Aquavit Malteserkreuz. Angepeilt wird zu 70 Prozent die männliche Zielgruppe ab 35 Jahren, die bei aller Wertschätzung für Traditionen, offen für Neues ist. Etablieren will sich MaxXium unter dem Claim „The Spirit of Success” als beste Vertriebsorganisation für Premium-Produkte im Spirituosen- und Champagnermarkt.

Kostendruck forciert Allianz zwischen
Hardenberg und Underberg

Um die Selbständigkeit der Marken im weiterhin stark angespannten Spirituosenmarkt zu sichern, haben die Familienunternehmen Hardenberg-Wilthen und Underberg eine Allianz geschlossen. Dieses berichtete die Financial Times Deutschland in ihrer Ausgabe vom 8. Februar.
Kooperieren wollen die beiden Unternehmen in den Bereichen Einkauf, Produktion und Logistik. Die gemeinsame Firma Santa Barbara, die künftig Abfüllung und Verpackung beider Unternehmen übernehmen soll, sei offen für weitere Kooperationspartner. So könnten Kosten gesenkt und ein Gegenpol zu den internationalen Konzern gebildet werden, ließ Wilfried Mocken (Underberg) in der FTD verlauten.

Jägermeister: Jahr für Jahr Rekordgewinne

Jahr für Jahr fährt die Marke mit dem Hirsch Rekordgewinne ein. Das Unternehmen hat bravourös die Herausforderung als traditionelle Marke, neue, insbesondere jüngere Zielgruppen zu gewinnen, gemeistert.
Auch im sechsten Jahr in Folge schreibt die Mast-Jägermeister AG, Wolfenbüttel ein deutliches Plus. Mit 76,5 Millionen Flaschen (0,7-Liter) gegenüber dem Vorjahr 2005 ein Zuwachs von 15 Prozent. Das deutsche Unternehmen expandiert international, der Auslandsanteil des Gesamtabsatzes liegt nunmehr bei 74 Prozent. Die Marke Jägermeister wird weltweit in über 70 Ländern vermarktet.
56,5 Millionen Flaschen wurden im Ausland abgesetzt (Vorjahr: 47,5), was einem Zuwachs von 19 Prozent entspricht – nach wie vor mit den USA als größtem Auslandsmarkt. In Deutschland sieht sich Jägermeister als umsatzstärkste Spirituose weiterhin mit einer Absatzsteigerung von 4,6 Prozent auf 20 Millionen Flaschen als Marktführer im Segment Kräuterliköre.