Innovationsfreudiger AfG-Markt: Rekorddurst hält an

Wermutstropfen:
Preisaggressiver Markt

von Monika Busch

Der Durst der Deutschen auf alkoholfreie Getränke ist ungebremst, der Markt in ständiger Bewegung. Schätzungen zufolge umfasst der Markt der Alkoholfreien hier zu Lande rund 40.000 verschiedenene Getränke und dies ist sicher noch nicht das Ende. Mit Vielfalt und einem geschmacklichen Erlebnispanorama wird um die Gunst des Konsumenten gebuhlt. Das Innovationstempo ist rasant, die Neugier und Aufgeschlossenheit der Konsumenten für neue Geschmacksrichtungen hat deutlich zugenommen. Jedoch in Teilsegmenten des Marktes geht es lediglich nur noch um die Frage, wie die Torte verteilt wird.

Die neuesten Forschungsergebnisse der Global New Products Database (GNPD) von Mintel prognostiziert für das Jahr 2008 unter anderem eine kleine Renaissance des Leitungswassers und einen Rück-gang für abgefülltes Wasser in Flaschen. Einige Restaurants in den Vereinigten Staaten und in Europa servieren bereits Leitungswasser. Den Prognosen zufolge soll 2008 der Beginn für einen massiven Rückgang für einfaches, abgefülltes Wasser sein.
Denn die Verbraucher, die „nur ihren Durst löschen möchten“ betrachteten die negativen Auswirkungen auf die Umwelt immer kritischer, die mit dem Abfüllen und dem Transport von Wasser von weit entfernten Orten in ihren heimischen Supermarkt verbunden seien.
Nach dem Rekordjahr 2006 und einem durchwachsenen Jahr 2007 blicken die Hersteller von alkoholfreien Getränken mit verhaltenem Optimismus in die Zukunft. Der Aufwärtstrend hier zu Lande setzte sich 2007 nach einer Hochrechnung der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke e.V. (wafg) mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 294,3 Liter vorerst nicht fort: gegenüber dem Rekordjahr 2006 mit dem Sondereffekt Fußball-WM mit 297,1 Liter ein Minus von einem Prozent.
Nach vorläufigen Berechnungen konsumierte im vergangenen Jahr jeder Deutsche im Schnitt 117,2 Liter Erfrischungsgetränke (+1,6%), 130,4 Liter Mineral- und Heilwasser (-2,6%), 7,5 Liter Quell- und Tafelwasser (-1,3%) sowie 39,2 Liter Säfte und Nektare (-1,6%).  Im Handel  stieg der Absatz der „Alkoholfreien“ um 1,1 Prozent. Hier legten die so genannten neuen Segmente um 5,1 Prozent zu, Wässer und Erfrischungstränke stiegen um 3,9 beziehungsweise 3,1 Prozent, fruchthaltige Getränke verloren 11,3 Prozent. Freude bereiteten bei den Erfrischungsgetränken vor allem die Bittergetränke mit einem Plus von 12,3 Prozent. Und auch die Cola-Getränke erzielten einen Zuwachs von 7,2 Prozent, Limonaden hingegen sanken um 1,3 Prozent. Der Absatz von Mineral- und Heilwässern lag der Hochrechnung zufolge über alle Lieferketten 1,5 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Die gestiegenen Rohstoff- und Herstellungspreise mit Auswirkungen auf die Verkaufspreise haben in 2007 besonders das Segment der Fruchtsäfte getroffen. Der Absatz sank um 10,6 Prozent, die Fruchtnektare stiegen leicht um 0,7 Prozent.
Weiter auf dem Vormarsch ist der Discount, mittlerweile wird mehr als jeder zweite  Liter von Aldi, Lidl und Co. verkauft. Der Marktanteil des Discount bei den „Alkoholfreien“ stieg im Zeit-raum Januar bis November 2007 von 50,7 auf 53,6 Prozent. Der Discountanteil bei Erfrischungsgetränken erhöhte sich von 47,1 auf 50,7 Prozent. Auch die Wässer blieben nicht verschont, hier stieg der Anteil von 43,8 auf 48,4 Prozent.
Deutlich über 60 Prozent liegt der Discountanteil bei den so genannten neuen Segmenten und fruchthaltigen Getränken. Die Verbraucherpräferenz liegt deutlich beim Discount und das hat Auswirkungen auf die Preisgestaltung, die durchschnittlichen Verkaufspreise sind erneut gesunken. Der wafg zufolge beträgt mittlerweile der durchschnittliche Verkaufspreis noch 0,40 Euro pro Liter, im Jahr 2001 waren es noch 0,51 Euro. Ursächlich ist für die wafg hier nicht ein genereller Preisrückgang, sondern ein vermehrter Konsum von preisgünstigen Getränken.
Eine Auswirkung einer sogenannten Lenkungswirkung für Mehrweg ist nicht zu verzeichnen. Die Mehrwegquote bei den „Alkoholfreien“ ist von 51,4 Prozent in 2002 auf 29,9 Prozent in 2007 gesunken. Gewachsen ist hingegen PET-Einweg, der Marktanteil liegt bei 58,4 Prozent. Wachstum versprechen sich die Hersteller nach wie vor von den neuen Segmenten, wie beispielsweise Smoothies, Near-Water-Produkten und dem Bio-Trend. Die mittlerweile rund 1.500 alkoholfreien Bio-Getränke in Deutschland strotzen mit Wachstumsraten von 62 Prozent. Und der Absatz von Wasser-Plus-Getränken – Wässer mit leichtem Fruchtsaftanteil – stieg in 2007 um rekordverdächtige 127 Prozent.
„Der Sommer ist in 2007 ausgefallen, dies blieb nicht ohne Auswirkungen auf den Absatz“, skizzierte VDM-Geschäftsführer Wolfgang Stubbe das Jahresergebnis 2007 der deutschen Mineralbrunnen. Nach den vorläufig veröffentlichten Zahlen des Verbandes der Deutscher Mineralbrunnen e.V. (VDM) liegt der Absatzrückgang der gesamten Branche bei „etwas mehr“ als einem Prozent.
Nach wie vor erfreut sich der Gunst der Durstigen das natürliche Mineralwasser mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 130 Liter. Der Absatz bei Mineral- und Heilwasser sank um 1,5 Prozent, die kohlensäurefreie Variante stieg um 13 Prozent. Die klassischen kohlensäurehaltigen Mineralwässer verloren sechs Prozent. Insgesamt wäre der Absatzrückgang deutlich stärker ausgefallen, wenn der Discount keine Zuwächse verzeichnet hätte, so die Feststellung Stubbes, betont aber einschränkend: „Lieferanten für den Discount sind jedoch nur ganz wenige Mineralbrunnenbetriebe.“ Rückläufig waren die klassischen Limonaden der Brunnenbetriebe, die Near Water- und Wellnessgetränke verzeichnen ein Plus von 1,5 Prozent.
Wasser ist mittlerweile zum Lifestyle-Accessoire geworden, getreu dem Hollywood-Motto: Du bist, was du trinkst – Blink H20 lässt grüßen. Wasser ist mehr als ein Durstlöscher. Wer heutzutage am Puls der Zeit ist, der trinkt Wasser – aber keinesfalls irgendein Wasser. Vielfalt ist heute Trumpf, Wasserkarten in der Gastronomie sind keine Einzelfälle mehr, oftmals stehen Sommeliers beratend zur Seite. Edel oftmals die Flaschen – abgefüllt werden mittlerweile viele Wässer, passend zum Livestyle, in eigens von Designern kreierten Flaschen.
Eine klare Abgrenzung existiert nicht mehr, die Hersteller von alkoholfreien Getränken stehen längst im Wettbewerb mit Nahrungsmittelbranche. Die Hersteller antworten auf den Bio-, Health- und Wellnesstrend mit Wässern angereichert mit Vitaminen, Kräutern oder Mineralien, Bio-Säften oder Trinkobst in Fläschchen, den Smoothies.
Die Functional Drinks bieten in flüssiger Form Gesundheit, Wellness, Schönheit. Aromen, wie beispielsweise Zitronengras, Passionsfrucht, Melisse oder Limette in Wässern sollen helfen, den Energiehaushalt zu stabilisieren, den Stoffwechsel zu stärken oder Energie „zu tanken“. Die Smoothies sollen etwa zwei Portionen Obst ersetzen und durch Magneten energetisierte Vitamin-Drinks sollen das Immunsystem stärken. „Die Nahrungsmittel von morgen haben immer einen Plus-Faktor, denn Vitalität und Gesundheit werden die gesellschaftlichen bestimmenden Werte,” ist sich Volker Dölle, Dölle Unternehmensgruppe sicher. Und für Dölle stehen die Zeichen auch in der Getränkebranche auf ‘all inclusive’.
Zunehmende Bedeutung würden Produkte erlangen, die regulierend auf physiologische Über- und Unterfunktionen einwirkten, so Dölle. In den USA beispielsweise wachse das Segment der Energy-Drinks kontinuierlich in zwei Richtungen: neue Sorten kombiniert mit alkoholischen Getränken oder Sportgetränke auf der einen Seite, natürliche Produkte wie New Age Energy-Drinks mit …

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 03/2008