Brau Beviale 2008: Etwas gedämpfter Andrang, aber von Krise keine Spur

von Timur Dosdogru

In den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der Besucher auf der Brau Beviale in Nürnberg kontinuierlich etwas abgesunken. Fanden 2006 noch über 36.000 den Weg auf das Nürnberger Messegelände, waren es im Jahr 2007 noch rund 35.000 Fachbesucher und zur Auflage 2008 (12. bis 14. November) des europäischen Branchentreffs rund 34.000 – aktuell möglicherweise eine Folge der weltweiten Finanzkrise, aber wohl auch eine der internationalen Konzern-Zusammenschlüsse in der Branche. Am Wintereinbruch, wie angeblich im Vorjahr, kann es diesmal also nicht gelegen haben. Der geschäftigen Atmosphäre als solches vor Ort tat dies allerdings keinen Abbruch, obwohl einige Unternehmen spürbar Kosten eingespart hätten, wie es hieß. Nach drei aufeinanderfolgenden Brau-Beviale-Jahren ist aber dieses Jahr turnusgemäß erst einmal Schluss, die nächste Auflage der Messe findet vom 10. bis 12. November 2010 statt – vielleicht steigen die Besucherzahlen bis dahin wieder. Trotz allem hat die international mit wichtigste Fachmesse der Getränkewirtschaft mit 1395 Ausstellern ihr starkes Konzept weiter unter Beweis gestellt. Auf der Ausstellerseite waren insgesamt 49 Länder vertreten, davon 830 deutsche Unternehmen, denen Firmen aus Italien, Großbritannien, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz und Frankreich folgten.
Laut Messe zeigten sich die Aussteller mit der Kompetenz der Fachbesucher überaus zufrieden, von denen 87 Prozent in die Investitionsentscheidungen ihrer Unternehmen einbezogen sind. Insgesamt war jeder Fünfte aus dem Ausland angereist, darunter auch Interessierte aus den Wachstumsmärkten Mittelost- und Osteuropas. Der „Zufriedenheits-Grad“ der Fachbesucher mit dem Angebot lag bei 96 Prozent.
Der European Beer Star Award wurde bereits zum fünften Mal verliehen und verzeichnete mit 688 eingereichten Bieren aus aller Welt einen Teilnahmerekord, die von 65 unabhängigen Bier- und Brauereiexperten aus 16 Nationen bewertet wurden. Gold-, Silber- und Bronzemedaillen wurden in insgesamt 42 Kategorien für 123 Awards vergeben, davon 61 ausgezeichnete Biere aus Deutschland und 62 aus dem Ausland.

Akute Versorgungskrise im Hopfenmarkt zunächst beendet

Im Gegensatz zum Vorjahr melden der Deutsche Hopfenwirtschaftsverband (DHWV) e. V. und der Verband Deutscher Hopfenpflanzer e. V. für das Erntejahr 2008 das Ende der zwei Jahre andauernden akuten Versorgungskrise der Brauwirtschaft mit dem begehrten Rohstoff Hopfen.
Dies sei vor allem durch einen Schulterschluss zwischen internationaler Brauwirtschaft, vielen unternehmerisch denkenden Pflanzerfamilien in der Hallertau und in den USA sowie einigen Hopfenunternehmen gelungen, der signifikante Flächeneinlegungen in Rekordzeit zur Folge gehabt habe, wie Stephan Barth in seiner Eigenschaft als 1. Vorsitzender des DHWV in Nürnberg berichtete. „Diese gute Nachricht bedeutet für alle Marktteilnehmer die Möglichkeit, in nachhaltig wirtschaftenden Märkten agieren zu können.“
Vor allem in der Hallertau aber auch sonst in jeder Hinsicht könne die Ernte 2008 als Rekordernte betrachtet werden, so Barth weiter, „die genau zum richtigen Zeitpunkt eingetroffen ist“.
Sowohl Alphagehalt und Ertrag stimmten, die ursprünglich ohnehin optimistische Ernteprognose in Deutschland mit über 39.000 Tonnen sei sogar noch um 2500 Tonnen übertroffen worden (davon 4000 Tonnen Alpha). Barth: „Noch nie in ihrer Geschichte hat die Hallertau und somit das ganze deutsche Anbaugebiet so viel Alpha geerntet.“
Zufriedenstellend sei die Ernte auch in den übrigen europäischen Anbaugebieten verlaufen, außer in den USA, wo fast alle Pflanzer Schwierigkeiten gehabt hätten, die erhofften Erträge auf den Neuflächen zu ernten. In der Summe sei von einer Welternte von rund 10.000 Tonnen Alpha auszugehen (Vorjahr: 7610). „Bei einem Bedarf von etwa 8500 Tonnen bietet sich somit für die internationale Brauwirtschaft das erste Mal seit der Ernte 2002 die Gelegenheit, wieder einen gewissen Bestand für zwei Braumonate aufzubauen“, verkündete der Vorsitzende die frohe Botschaft.
Es sei zudem davon auszugehen, dass viele Brauereien trotz globaler Rezessionsangst früher oder später auf den Markt kommen würden, um sich gegen künftige Minderernten etwas besser als in der Vergangenheit absichern zu wollen – schließlich könnten Ernteschwankungen in der Hopfenwirtschaft von Jahr zu Jahr durchaus extrem ausfallen.
Die Hopfenbranche ist also wieder bei den guten alten Vorkontrakten gelandet. Im Gegensatz zum Vorjahr, wo es noch geheißen hatte: „Der Drang zu Vorverträgen bei der Brauwirtschaft hielt sich in Grenzen (siehe dgw 11/12/07).“
Seit Ende September 2008, so Barth, finde kein Spotverkauf mehr statt: „Zu sehr haben die Turbulenzen an den Weltfinanzmärkten und die sich immer klarer abzeichnende, scharfe globale Rezession für alle Marktakteure die Frage aufgeworfen, ob der Bierkonsum in allen Ländern wirklich krisenresistent ist. Diese Frage als Handelshaus auf der falschen Seite einer Langposition beantwortet zu bekommen, kann sich kein Hopfenunternehmen der Welt leisten.“ Jetzt seien zudem – wie im Vorjahr vorhergesagt – erste ernsthafte Anzeichen zu sehen, nach denen all diejenigen Lieferländer und Firmen Schwierigkeiten bekämen, deren Vertragstreue nach den Ernten 2006 und 2007 mangelhaft gewesen sei. „Vertragstreue zwischen Pflanzer – Handel – Brauer ist aber unabdingbar für das reibungslose Funktionieren des langjährigen Vorvertragssystems der Hopfenwirtschaft“, mahnte Barth, „andererseits benötigt die Hopfenwirtschaft auch die Vertragstreue der abnehmenden Brauwirtschaft.“
Die globale Struktur der Hopfenproduktion stehe deshalb vor einem Umbruch. Vertragstreuen und wiedererstarkten Ländern wie Deutschland und den USA, die ihre gesamte Anbau- und Handelsinfrastruktur durch langjährige Vorkontrakte abgesichert hätten, stünden nun auf der anderen Seite „einige Länder, deren Verhalten zu wünschen übrig gelassen hat“, gegenüber. Welche Länder er explizit meinte, darüber hüllte sich der Vorsitzende des Hopfenwirtschafts-Verbandes vornehm in diplomatisches Schweigen. Zumindest nannte er aber einige derjenigen Länder, welche ihre Verträge erfüllt hatten, so dass sich die Anwesenden halbwegs einen eigenen Reim darauf machen konnten.
Jedenfalls, prophezeite Barth, „könnten die nächsten Jahre für einige Anbaugebiete eng werden“. Trotzdem warnte er vor weiteren Flächenausweitungen: Diese seien derzeit völlig unnötig, seitens der der Pflanzer und Handelskollegen sei zunächst erst einmal defensives Agieren ange….

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