Mac & Merlot

Fast Food und Wein. Für die meisten von uns ein absolutes No-go. Ausnahme Currywurst und Champagner. Das ist nicht nur am Berliner Ku’damm eine kultige Kombination. Aber es scheint nur noch eine Frage der Zeit und natürlich der Akzeptanz, bis es zum Burger auch den California Red oder zu den Chicken Wings den South Australian Chardonnay aus der Zapfanlage gibt. Pizza und Chianti ist letztlich auch nichts anderes, und jeder Bringdienst hat’s im Prospekt.
Seit die großen Fast-Food-Ketten entdeckt haben, dass in der Diversifizierung des Getränkeangebots bislang ungeahnte Umsatzreserven schlummern, ist alles denkbar. Weg vom Dickmacher- und Limonadenimage lautet schon lange die Devise. So wurde zunächst das vegetarische Angebot ausgebaut, gesundes Frühstück und natürlich der Kaffee.  Die McCafés sind heute ein weltweit florierendes Erfolgsmodell. Von Melbourne aus, wo 1993 der Startschuss fiel, schaffte es das Konzept in die Restaurants in 30 Ländern. McCafé ist mittlerweile in 2.000 McDonald’s-Filialen weltweit zu finden. Konkurrent Burger King setzt inzwischen nach und will in seinen 670 deutschen Outlets mindestens 100 Coffeeshop-Ecken einrichten. Das nächste Getränk, das sich in diesem Marktsegment etablieren dürfte, wird wohl der Tee sein. So kann in amerikanischen McCafés der Kunde bereits zwischen Chai Tea und diversen Gourmet-Tees wählen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass hier bald grüne Tees oder auch der südafrikanische Rooibos folgen werden. Bei Starbucks gibt es das schon alles.
In den Staaten – wie immer Vorreiter für die gastronomischen Branchentrends – ist man schon einen ganzen Schritt weiter. Dort experimentieren regionale Fast-Food-Ketten längst auch mit alkoholischen Getränken. So machte vor einigen Monaten die Kette Burgerville aus dem pazifischen Nordwesten Furore, als sie erstmals in einem ihrer Outlets Bier und Wein angeboten hatte. Die in Denver beheimatete Kette Chipotle Mexican Grill setzt auf Bier und Margaritas, und Starbucks hat begonnen, in einem seiner Shops in Seattle Wein und Bier zu servieren.
Dies sind keine Tests im luftleeren Raum, sondern Versuche, sich den Bedürfnissen neuer Konsumentengruppen anzunähern. Welcher Wein passt am besten zu Fast Food? Zu dieser Frage findet man in amerikanischen Internetforen zahlreiche Einträge und auch praktische Vorschläge, wie Wendy’s Chili mit Beaujolais oder KFC Chicken mit Pinot Noir. Selbst die seriöse Washington Post widmete dem Thema bereits einen umfassenden Beitrag samt Test.  Der Trend hat in den USA denn auch bereits einen Namen: „Burgers and Burgundy“. Ob es so weit kommt, wage ich zu bezweifeln. Aber angesichts der Tatsache, dass McDonald’s Biomilch anbietet, kann ich mir ein sympathieträchtiges Angebot wie Veggies mit Biowein in der Zukunft durchaus vorstellen. Oder wie wär’s mit einer plakativen Kombination von Mac & Merlot? Traditionsbewusste Konsumenten und die meisten Winzer schüttelt es vermutlich bei dem Gedanken, aber zwei Generationen später wird man vermutlich über unsere Befindlichkeit den Kopf schütteln. Die Banalisierung – oder doch vielleicht besser gesagt: die Normalisierung – der Ess- und Trinkkultur ist wohl nicht aufzuhalten.