Racke – Notbremse: Ausverkauf des Tafelsilbers

von Monika Busch

Die Ära des traditionsreichen Unternehmens Racke, für dessen Fortbestand Hauptgesellschafter Marcus Moller-Racke (MMR) stets gekämpft hat, neigt sich dem Ende. 1991 hatte MMR von seinem Vater Harro, auch nicht ohne Kampf, das Unternehmen übernommen. Die dgw titelte damals: „Dallas am Rhein – der rote Fuchs soll wieder laufen“.
Verkauft werden sollte das Unternehmen mit damals 26 Gesellschaftern, aber nicht mit MMR. Die Traditionsfirma wollte MMR, inhabergeführt im Markt erfolgreich positionieren.
Rund ein Vierteljahrhundert später hält Marcus Moller-Racke 75 Prozent der Anteile, die restlichen 25 Prozent befinden sich im Besitz von nur noch drei weiteren Familienmitgliedern. Im Jahr 2006, nach 150-jährigem Bestehen, trennte sich das Unternehmen von der Spirituosensparte. Damaliger Umsatzanteil: rund 30 Prozent.  Die Rum-Marken Der Gute Pott, Holborn Rum und Sternmarke wurden an Henkell & Söhnlein verkauft. Das Wiesbadener Unternehmen hatte bereits zuvor die Racke-Marken Kupferberg (Sekt) und Scharlachberg (Weinbrand) übernommen. MMR hatte dem Unternehmen eine Neuausrichtung mit strategischem Kernbereich Wein verordnet.  Hohe Altlasten jedoch drücken das Unternehmen nach wie vor. Die Rede ist von Pensionsverpflichtungen, die bei weit über 50 Millionen Euro liegen sollen. „Der letzte Rentner wird nach den Berechnungen der Allianz bis 2062 Ansprüche an uns haben“, sagte MMR in einem Gespräch mit dem Wiesbadener Kurier. Ein großer Dämpfer für den Visionär, der das Familienunternehmen in der fünften Generation führt.  2008 wagte der Unternehmenschef mit der Etablierung eines europäischen Headquarters in Mainz und der neuen Tochtergesellschaft Racke|Eggers & Franke eine Neupositionierung im Premiumweinbereich. Rückwirkend zum 1. Juli 2007 hatte Racke die Mehrheit der Anteile an der Bremer Eggers-&-Franke-Gruppe übernommen. Eine neue Gruppenholding nahm zum 1. April 2008 in Mainz an der Kupferbergterrasse ihre Arbeit auf.  Die Folge: die nahezu komplette Trennung von den Weinaktivitäten im LEH unterhalb der Preisklasse von drei Euro. Verkauft wurden die Marken Amselkeller, Bongeronde, Rosiére und Viala an ein Tochterunternehmen von Les Grands Chais des France (GCF).  In die neue Deutschlandtochter Racke|Eggers & Franke brachte Racke die Weinlinien Blanchet und Grand Vitae, sämtliche Distributionsmarken und die Joint-Venture-Weinlinien Golden Kaan und Espíritu de Chile ein. Veräußert wurde im September dieses Jahres (dgw 9/09) die 50-prozentige Beteiligung an dem Joint Venture Golden Kaan.  Und der bisher größte Schritt: der Verkauf der erfolgreichen Weinlinie Blanchet an die Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH, Freyburg. Mit einem Absatz von 10,6 Millionen Flaschen 2008 und einem Umsatz von 23,6 Millionen Euro ist die 1988 eingeführte Marke Blanchet in Deutschland wertmäßig die drittstärkste Markenwein-Range.  Gunter Heise, geschäftsführender Gesellschafter und Sprecher der Geschäftsführung der Rotkäppchen-Mumm Sektkel- …

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 11/12/2009