Liebe Leser, in dieser Kolumne kommen Sie zu Wort. Schreiben Sie Viktor, er wird auch niemanden verraten. Großes Ehrenwuff!

Viktor

Von Doggen und Chihuahuas

Recycling ist in aller Munde – und warum soll das nicht auch für meine Kommentare gelten? Vor fast fünf Jahren hatte ich Frauchen schon einmal von unserem Verband „Die deutschen Hunde“ erzählt. Damals gab es ziemliche Probleme mit den Deutschen Doggen, die nicht einsehen wollten, warum die kleinen Chihuahuas in unserem Verband auch Rechte haben sollten. Ein paar von den Doggen sind sogar ausgetreten, und eine der größten Doggen war noch nie Mitglied in unserem Verband.
Die hält sich offensichtlich für etwas Besseres und lässt uns für sie kämpfen. Unsolidarisches Verhalten nennt man so etwas, denn schließlich setzen wir uns zum Beispiel dafür ein, dass die in Brüssel und Berlin nicht noch mehr unsinnige Forderungen aufstellen, die uns das Leben erschweren. Es ist ja auch nicht einzusehen, warum für Hundefutter nicht mehr geworben werden soll, nur weil sich ein paar meiner Artgenossen im wahrsten Sinne des Wortes überfressen haben. Aber das ist eine andere Hundehütte, denn ich wollte ja von meinem Verband erzählen.
Jedenfalls hat uns die Diskussion mit den Doggen in den letzten Jahren ganz schön viel Kraft (und Zeit) gekostet. Aber letztendlich haben wir eine Lösung gefunden, denn die Doggen können jetzt auch direkte Mitglieder im Verband werden. Klingt kompliziert, ist es aber gar nicht, denn bisher waren die nur indirekt über unsere Mitgliedsverbände im Verband vertreten. Ja, wir haben auch Mitgliedsverbände, denn wir können von Berlin aus nicht alles regeln, was sich zum Beispiel die Bundesländer ausdenken. So ist das nun einmal im Föderalismus (schönes Wort, hat mir Frauchen erklärt, und jetzt weiß ich nicht nur, wie man das schreibt, sondern auch, was es ist!).
Friede, Freude, Hundekuchen – so haben wir alle nach der letzten Versammlung gedacht, denn alle waren sich einig über die Sonderrolle der Doggen. Aber das war wohl offensichtlich zu früh gejubelt, denn einige Doggen wollen jetzt auch noch gleicher sein als andere Doggen. Was mich besonders geärgert hat, war der Kommentar eines unserer Ehrenmitglieder, das früher mal der Oberhäuptling einer Doggenfamilie gewesen war. Der hat doch glatt gesagt, am besten solle man unseren Verband vor die Wand fahren. Und so jemanden haben wir vor einiger Zeit zum Ehrenmitglied ernannt … Unglaublich!
Irgendwie schade, dass ein paar von den Mitgliedern immer noch nicht verstanden haben, wozu unser Verband da ist. Es gibt genügend Punkte, wo wir gemeinsam für unsere Rechte kämpfen müssen – gleich ob Dogge oder Chihuahua. Und nur um zu beweisen, wie klug ich schon damals war, hier der Schluss meines Kommentars von 2005: „Nur weil einer meint, er komme ohne Verband aus, schließt er daraus, dass der Verband insgesamt nichts bringt.“ Aber ich fürchte, so sind nicht nur Hunde, sondern auch Menschen.

Euer Viktor