Liebe Leser, in dieser Kolumne kommen Sie zu Wort. Schreiben Sie Viktor, er wird auch niemanden verraten. Großes Ehrenwuff!

Viktor

Es lebe das Sommerloch!

Im Sommer (unsere Leserinnen und Leser erinnern sich vielleicht an jenen Freitag im August) war ich mit Frauchen mal wieder im Park spazieren – wunderbar! Doch bevor es mich von der Leine ließ, ermahnte es mich diesmal ganz besonders: „Und pass auf, dass du nicht ins Sommerloch fällst!“ Hä? Sommerloch? Wo soll denn in meinem Park, den ich seit Jahren kenne, jetzt auf einmal ein Sommerloch herkommen? Also schnell bei meinem klugen Frauchen nachgefragt: „Was ist denn bitte schön ein Sommerloch?“ Und schon begann wieder eine dieser kostenlosen Nachhilfestunden, mit denen mich mein Frauchen immer wieder beglückt.
Also hub Frauchen an: „Sommerloch nennt man im Journalismus (ach, daher weht der Wind!) jene nachrichtenarme Zeit im Sommer, in der so wenig passiert, dass jede Forderung irgendeines Politikers oder Professors, egal wie blödsinnig sie auch ist, ihren Platz in den Medien findet.“ So richtig überzeugt war ich noch nicht, denn ich hatte immer gedacht, dass Journalisten so schlau seien, dass sie nur wirklich wichtige Meldungen abdrucken.
Also fragte ich nach Beispielen, und schon sprudelte es aus Frauchen nur so heraus: Da habe es zum Beispiel einmal die Forderung eines Bundestagsabgeordneten gegeben, Mallorca als 17. deutsches Bundesland zu annektieren, weil da immer so viele Deutsche hinfliegen. Das hatte ich schon vor Jahren gelesen, also bat ich um aktuellere Beispiele. Aber Frauchen konnte ich mit dieser Bitte nicht in Verlegenheit bringen: „Stell dir vor, da hat doch ein FDP-Politiker gerade ein Verbot von Pommes frites, Cheeseburgern und anderem Fast Food für Kinder und Jugendliche gefordert.“ Begründet habe er dies mit dem immer höheren Anteil von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Auch die Biersteuer eigne sich hervorragend für das Sommerloch: Da habe ein Wirtschafts(!)wissenschaftler eine drastische Erhöhung der Biersteuer um mehr als 900 Prozent gefordert, um das exzessive Trinken von Alkohol einzudämmen.
Normalerweise würden solche Forderungen niemanden interessieren, aber da komme eben das Sommerloch ins Spiel: Wenn sonst nichts passiert, dann kommt die große Stunde derjenigen, auf die sonst niemand achtet. Na, das sind ja schöne Aussichten, denn auch um Weihnachten herum passiert normalerweise wenig. Ich rechne jetzt schon damit, dass Frauchen mich beim Weihnachtsspaziergang vor dem Weihnachts- oder Neujahrsloch warnt …

Euer Viktor