Die Zukunft im AfG-Markt gehört den funktionalen Getränken – Globalisierung und „Multikulti” prägen die Trinkgewohnheiten

Geschäftsfelder müssen den neuen Marktverhältnissen angepasst werden

von Timur Dosdogru

Für die AfG-Wirtschaft heißt das Zauberwort dieser Tage „Zusatznutzen”. Die funktionalen Getränke, auch functional drinks genannt, verlassen ihr Nischendasein – der herkömmliche Fruchtsaft oder die gewöhnliche Limonade reichen vielen Konsumenten nicht mehr aus, um sich in dem Gefühl gesunder Ernährung wiegen zu können. Dies zeigt auch die Entwicklung alkoholischer Getränke, deren Konsum in den letzten Jahren immer wieder zurückgegangen ist, wozu auch ein gestiegenes Gesundheits- und Körperbewusstsein beigetragen haben.

Funktionale Getränke suggerieren dem Verbraucher zunächst einmal, dass er mit deren Verzehr sozusagen mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: es sich vor allem schmecken zu lassen – der Geschmacksfaktor ist neben dem Preis der wichtigste für den Kauf eines bestimmten Produkts – und vor allem das Gefühl, sich für die eigenen speziellen körperlichen (oder vermeintlichen) Bedürfnisse ein bestimmtes Getränk aussuchen zu können – gewissermaßen der „Genau-das-Richtige-für-mich-Effekt”.

Die Wirtschaft hat dies mittlerweile erkannt und wird nicht müde, ständig neue Arten von Getränken und Geschmacksrichtungen mit verschiedensten Zusatznutzen zu entwickeln. Auf dem „39. Heidelberger Fachseminar 2000 für die Getränkeindustrie” der Wild-Werke, Heidelberg-Eppelheim, diskutierten die Teilnehmer die sich aus dieser Tatsache ergebenden Entwicklungen. Hauptthema: „Wachstumsstrategien für die Getränkeindustrie in Zeiten von Globalisierung und E-Commerce und stagnierenden Märkten.
“300 Gäste aus 34 Ländern informierten sich über die neuen Trends. Das Unternehmen Wild, einer der weltweit führenden und tätigen Hersteller in der Produktion natürlicher Grundstoffe und Aromen für die Hersteller von Getränken und Lebensmittel, will dem wachsenden Markt bereits im kommenden Jahr weiter Rechnung tragen und allein am Standort Heidelberg die stolze Summe von 100 Millionen Mark investieren und damit die bestehende Anlagenkapazität nahezu verdoppeln.

„Die Nahrung wird sich in den nächsten 20 Jahren fundamental verändern”

Firmenchef Dr. Hans-Peter Wild glaubt, dass sich die Nahrung in den nächsten 20 Jahren „fundamental verändern” wird. Jedes Jahr würden zig Milliarden Mark für ernährungsbedingte Krankheiten ausgegeben, auf falsche Ernährung seien rund 64 Prozent aller Todesfälle zurückzuführen.

Zwar stehen die AfG-Hersteller im Vergleich zu ihren Kollegen aus der Alkohol produzierenden Zunft besser da, doch auch im AfG-Markt knirscht zuweilen das Getriebe. Trotz steigender Löhne seien die Verbraucher nicht bereit, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben, so Wolfgang Bock, Leiter Vertrieb bei Wild-Deutschland. Handel und Industrie müssten diese Entwicklung „mit Besorgnis beobachten”. Zudem werde die Entwicklung verschärft durch
die aggressive Preispolitik der Handelskonzerne. Deutsche Haushalte hätten im ersten Halbjahr 2000 insgesamt 21,2 Milliarden Mark für Getränke ausgegeben. Die Ausgaben für Milch seien um 9, und für Kaffee um 14 Prozent gesunken, so Bock, hingegen hätten die alkoholfreien Getränke um 31 und die alkoholhaltigen Getränke um 46 Prozent zugelegt, letztere vor allem durch den gestiegenen Rotweinkonsum mit einem Plus von 20 Prozent. Bock geht davon aus, dass der AfG-Verbrauch im Jahr 2000 einen Anstieg um 2,5 Prozent auf 246 Liter pro Kopf gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen hat. 1999 tranken die Deutschen durchschnittlich rund 103 Liter Wasser, gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 2,2 Prozent. Beim Mineralwasser wuchs der Pro-Kopf-Verbrauch um 2,5 Prozent auf 97 Liter, während er beim Tafelwasser mit 5,8 Prozent auf Vorjahresniveau lag.

Als besonders auffällig bezeichnet Bock die besonders positive Entwick-lung der französischen kohlensäurehaltigen Mineralwässer (dgw Ausgabe 10/00), wobei Marken wie Vittel, Volvic oder evian auf hohem Preisniveau starke Marktanteilsgewinne hätten verzeichnen können. Neue Impulse hätten außerdem die neuen Gebinde gegeben, so Bock weiter, wie auch der Vormarsch von PET, wo sich besonders die Halbliter- und die 1,5-l-Flasche zunehmender
Beliebtheit erfreuten.

Dramatischer Preisverfall beim Mineralwasser

Ernst nimmt Vertriebsleiter Bock vor allem den Preisverfall beim Mineralwasser, mittlerweile würden 20 Prozent aller Wässer in Deutschland zu einem Preis unter vier Mark für zwölf Flaschen abgegeben: „Die Preisentwicklung bei
Mineralwasser muss mit Sorge betrachtet werden. Preise unter einer Mark sind auch keine Seltenheit.”

Auch Nostalgie spiele im Markt eine Rolle, wie sich an den Formflaschen der Marken Bluna, afri-cola, Fanta oder Libella zeige. Vor allem den so genannten neuen Segmenten sei es zu verdanken, dass die Erfrischungsgetränke 2000 voraussichtlich gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent auf 103 Liter pro Kopf zugelegt hätten. Ohne die neuen Segmente….

Die vollständige Redaktion finden Sie in unsrere Printausgabe 1/2 2001