Liebe Leser, in dieser Kolumne kommen Sie zu Wort. Schreiben Sie Viktor, er wird auch niemanden verraten. Großes Ehrenwuff!

Viktor

2015: Das Jahr des Murmeltiers?

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2009 dürfen besonders gefährliche Straftäter die Sicherungsverwahrung nach der Haft nicht in einem Gefängnis verbringen. Die Gesundheitsministerin des Landes NRW fasste umgehend einen Entschluss, um das Gesetz umzusetzen. Ohne Absprache mit den Stadtoberen wurde ein Ende 2010 stillgelegter Knast in Oberhausen zu einem Therapiezentrum für 18 betroffene Straftäter umgebaut.

Der härteste verfügbare Stahl wurde verbaut, größere Zellen und Unmengen von Überwachungskameras. Der Hochsicherheitstrakt kam auf Gesamtkosten von circa 4,5 Millionen Euro. Ende 2011 war es dann so weit.

Das Zentrum nahm seine Arbeit auf, begleitet von einem extra bestellten Beirat. So richtig viel zu tun hatte der Beirat allerdings nicht, denn die 20 Vollzeitkräfte hatten nicht 18 Insassen zu therapieren, sondern nur einen einzigen – und der wurde auch noch Ende 2012 nach Bayern verlegt.

Nun stand der teuer umgebaute Knast leer. Überlegungen, das Gebäude abzureißen, wurden zunächst verworfen. Nach Alternativen wurde gesucht. Der Plan zum Umbau zu einem Hotel scheiterte an zu hohen Kosten für Brandschutz und sanitäre Installa­tionen. Und wen wundert’s: Insbesondere mangelte es im Knast an Fluchtwegen. Nach drei Jahren Leerstand sollen nun die Bagger anrollen. Innerhalb von drei Monaten soll das Gebäude dem Erdboden gleichgemacht werden. Der Auftrag ist bereits vergeben. Über die Kosten weiß man nichts Genaues. „Da fehlt uns die Erfahrung, schließlich reißen wir nicht jeden Tag ein Gefängnis ab“, hört man aus Oberhausen. Ein nagelneues Finanzamt soll entstehen. Die müssen jetzt die Kosten beim Steuerzahler wieder reinholen. Ebenso wie die rund zwei Millionen Euro, die betrügerische Mitarbeiter der städtischen Oberhausener Gebäudemanagement GmbH (OGM) verursacht haben. Die beiden Gauner haben an die 3.000 Handyverträge mit der Telekom abgeschlossen. Die gelieferten Smartphones und iPads wurden gleich weiter­verscheuert. Da die OGM nicht nur für ihre eigenen Beschäftigten, sondern auch fürs Rathaus und die Feuerwehr Verträge mit IT-Firmen abschließt, fiel das zunächst nicht auf. Es soll sich um insgesamt rund 300.000 abgeschlossene Verträge handeln. Der Wert der Geräte soll bei 1,8 Millio­nen Euro liegen. Aufgefallen sind die Betrüger erst durch die Telekom, weil über die SIM-Karten nie telefoniert wurde. Die hatte dann auch die OGM informiert.

Die OGM reagierte prompt und ließ unverzüglich noch vor Weihnachten alle dienstlichen Mobiltelefone und Smartphones zählen. Durften bisher Abteilungsleiter Waren bis zu 50 Euro selbstständig einkaufen, lässt sich nun der Geschäftsführer jede Bestellung zur Genehmigung vorlegen. Kein Bereich ist davon ausgenommen, „unser Controlling ist gut“, heißt es aus Oberhausen.

Nun kommt ja der deutsche Pseudoangli­zismus „Controlling“ vom englischen „to control“. Ein Begriff aus der Wirtschaftslehre; er wird eher als ausgeübte Steuerungsfunktion und als Führungs- sowie Informationssystem des Managements gedeutet. Für das Oberhausener Stadtmanagement sollte es besser lauten: Manchmal ist Kontrolle angebrachter als Controlling.

… und täglich grüßt das Murmeltier, manchmal auch aus Oberhausen.
Euer Viktor