Liebe Leser, in dieser Kolumne kommen Sie zu Wort. Schreiben Sie Viktor, er wird auch niemanden verraten. Großes Ehrenwuff!

Viktor

Vrghsst die Rchtschrbrfrm!

War unsere Sprache wirklich einmal die der Dichter und Denker? Kaum vorstellbar bei dem abenteuerlichen Umgang damit in allen gesellschaftlichen Bereichen. Nicht nur bei der jungen Generation, selbst in den Nachrichtensendungen ist sie zum blöden Tschuschen-Rap verkommen. Sprachnotstand durch schlechte Grammatik?

Natürlich verändert sich die Sprache andauernd. Aber das ändert nichts an der großen Bedeutung der Grammatik. Insbesondere im Internet. Auf Facebook, in Blogs, in E-Mails oder auf Webseiten haben wir nichts außer unseren Wörtern. Wörter sind eine Projektion von uns selbst. Sind die Texte voller Fehler, ziehen andere Menschen ihre Schlüsse daraus. Oder stimmt das etwa nicht?

Ein schwäbischer Unternehmer ging da einen anderen Weg. Er suchte einen neuen Mitarbeiter und vertextete seinen Dialekt in einer Anzeige. Sein „Dienschdleischdongsondornehma, seid feifadreisisch Johr im Wegebau tädig“, suchte neue Mitarbeiter als „Baggorfahror oder Laschdwagafahror“. Natürlich m/w. „Haubsächlich schaffad mir ennorhalb em schwäbisch fränkischa Wald. Mir machad nue Wald ond Feldweg ond pflegad dia au ond hend Laschtwäge, Baggor, Grädor Rauna ond no’a a wenig Gloigruschd. Also, wend Luschtd hoscht bei os zum schaffa, mir dädag grad no so arbeidswiadliche Schofseggl, die zu os bassad, suche.“

Ob er einen neuen Mitarbeiter gefunden hat, steht nicht fest, aber seine Anzeige war der Knaller in den sozialen Medien und wurde mit Likes nur so überschüttet. Einen Grammatiktest verlangte der Schwabe von seinen Bewerbern bestimmt nicht.

Andere sind da weitaus penibler. Viele Unternehmen unterziehen ihre Stellenbewerber einem Sprachtest. Wer hier versagt, hat schon verloren. Rückschlüsse auf Intelligenz durch Grammatikkenntnisse zu ziehen: Ist das fair? Schließlich hat Grammatik nicht das Geringste zu tun mit der Arbeitsleistung, Kreativität oder Intelligenz. Wenn jemand mehr als 20 Jahre braucht, um einfachste grammatikalische Regeln zu verstehen, dann ist das keine Lernkurve, mit der Arbeitgeber leben können. Richtig?

Falsch! Gegner kritisieren solche Grammatikticks und warnen davor, auf diesem Weg viele Talente auszusieben und zu verschleudern. Irgendwo in der Mitte liegt hier die Wahrheit. Gleichwohl zeigt eine Studie, wozu unser Gehirn in der Lage ist.

Diese Stidue hat ergbn, dass es nchit witihcg ist, in welcher Rnenflogheie die Bushstabcen in einem Wrot gebeschrien wedren. Haustsapche, der ertse und leztte Bucbstace sethen an der rigtichgen Stllee. Dawiaschzen knan alles vöillg vrhedret wreedn. Das Ghiren stezt alles wedier rihctig zasummen.
Toll. Unser Gehirn weiß immer, was gemeint ist. Ansonsten bitte googlen.

Nchits frü ugnut,
Euer Viktor