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Brauereien im Wandel

Alkoholfrei drängt auf die Rampe

von Monika Busch.

„Deutsche Brauereien stehen mustergültig für eine weltweit einmalige Geschmacks- und Markenvielfalt. Unglaubliche 1.341 kleine, mittlere und große Braustätten produzieren 5.000 unterschiedliche Biere – und das allein in Deutschland“, sagte Rechtsanwalt Peter Hahn, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds, anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin. „Für jeden Geschmack etwas“, betonte Hahn.
„Die Menschen setzen bei ihren Einkäufen verstärkt auf Genuss und Wertigkeit beziehungsweise auf Klasse, nicht auf Masse. Mit anderen Worten: Man greift nicht zu den sicherlich immer noch attraktiven Angeboten gleich welcher Marke. Die Zahl derjenigen, die für ihre Lieblingsmarke mehr zahlen, steigt“, beschreibt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bunds, Peter Hahn, seine Beobachtungen des Biermarkts zu Beginn des Jahres. Der Wermutstropfen, und hier ist sich der größte Teil der Branche einig: Der Preisverhau im Handel wird weitergehen.
Der deutsche Biermarkt, der seit Jahren mit sinkendem Bierdurst zu kämpfen hat und von Preiswettbewerben geprägt ist – und der Preisverfall wird in den Märkten weiter forciert –, stellt nicht nur die kleineren und mittleren Brauereien vor große Herausforderungen. Schrumpfender Biermarkt, Wettbewerbsdruck und demografischer Zielgruppenverlust: Diesen schwierigen Aufgaben müssen sich die Marktteilnehmer seit Jahren stellen.
Die Frankfurter Radeberger-Gruppe wertet das abgelaufene Jahr 2012 als ein besonders forderndes. „Der deutsche Biermarkt hat sich leider auch 2012 nicht entspannt. Hatte das Statistische Bundesamt bis November ein kumuliertes Absatzminus des Biermarkts von insgesamt einem Prozent (Inlandsmarkt: minus 1,3 Prozent) ausgewiesen, gehen Experten von einem deutlich höheren Absatzminus des Gesamtmarkts am Jahresende aus.
Der unbefriedigende Absatzverlauf im Dezember 2012 hat die Bilanz der Branche mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf den Kopf gestellt“, lautet das Fazit von Dr. Albert Christmann, Sprecher der Geschäftsführung der Radeberger-Gruppe. Und für Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Brauerei C.#&#A. Veltins, steht fest: „Die Unternehmen der Brauindustrie stehen vor großen Herausforderungen – und die sind größer als je zuvor. Während Biermarken durch fortdauernde Wettbewerbskämpfe des Lebensmitteleinzelhandels in den Preissog geraten sind, verlangt die Politik mit der geforderten Energiewende nach bislang ungeahnten, aber unverzichtbaren Investitionsanstrengungen.“
Ein Überleben der kleinen und mittleren Brauereien ist teilweise nur noch sehr schwer möglich. Es fehlen häufig finanzielle Mittel. Aber auch unternehmerische Fehlentscheidungen können ursächlich zur Schließung oder Insolvenz führen. Jüngste Beispiele: die Brauerei Alsfeld (dgw 1–2/2013) und die Brauerei Härke, Peine.
Im November vergangenen Jahres musste die in der vierten Generation von der Familie Härke geführte Brauerei Insolvenz anmelden. Im Geschäftsjahr 2012 sei die Privatbrauerei in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Die Weiterführung des Betriebs aus eigener Kraft könne nicht gesichert werden, heißt es. Gründe seien die „aggressiven Preiskämpfe“ und die immer „billiger verkauften Fernsehbiere“. Insider sehen den Grund für die finanzielle Schieflage jedoch beim Management: Man habe sich mit dem Bau des neuen Sudhauses 2008 übernommen.
Die Flaschenabfüllung in Peine wurde bereits im September 2011 stillgelegt. Abgefüllt wird seitdem bei der Einbecker-Brauerei. Und Informationen von NDR 1 Niedersachsen zufolge kam es bereits 2010 zu betriebsbedingten Kündigungen. Übernommen wurde die Brauerei Härke durch den Kooperationspartner Einbecker Brauhaus AG am 2. Februar 2013. Das gaben die Insolvenzverwalterin Karina Schwarz und der Vorstand der Einbecker Brauhaus AG am 18. Januar 2013 bekannt. Der Braustandort Peine bleibt bestehen; damit verbunden ist der Erhalt von 16 Arbeitsplätzen. Das Einbecker Brauhaus hat sich verpflichtet, Investitionen in den Braubetrieb zur Standortsicherung vorzunehmen und mit weiteren Investitionen in Vertrieb und Marketing den Absatz der Härke-Biere weiter zu stärken. Die Logistik sowie die Buchhaltung werden zentralisiert. Gegründet wird eine neue Gesellschaft, die Braumanufaktur Härke GmbH, die für die Produktion und den Vertrieb verantwortlich sein wird.

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 03/2013