Ein Prachtkerl, dank….

Ihr kennt mich ja alle von dem Foto, dass meine Kolumnen schmückt. Bin ich nicht ein wahrer Prachtkerl? Schlank, dynamisch, schön gebaut, sportlich und fit. Ein jedes Frauenherz schlägt da höher. Wenn ich in Wald und Wiesen über Bäche und Bäume springe, dann müßtet ihr einmal sehen, wie meine Muskeln sich anspannen, mein Körper sich biegt und wie stolz meine Besitzer über so einen schönen Hund sind. Eisernes Training und eine ausgewogene Ernährung gehören zu meinem täglichen Körperpflege- und Fitnessprogramm. Von nichts kommt nichts und die Konkurrenz ist groß und schläft nicht. Was, dass glaubt ihr mir nicht? Natürlich ist das so, zumindest in meinen Träumen. Auch ich bin nicht frei von Werbung. Hunde, die ein bestimmtes Futter fressen, müssen einfach so sein. Jung, dynamisch, erfolgreich und fit. Sagen die, jedenfalls in der Werbung. Die zeigt mir eine Markenwelt, in der ich auch gern leben würde. Da wird das Futter sogar meinen Artgenossen mit Petersilie dargereicht.

Ist das nicht ein wunderschöner Traum? Auf eine solche Markenwelt bin ich richtig neidisch, denn an der Petersilie arbeite ich noch. Weiße Ware, no-names-Produkte kommen mir nicht in den Magen, suggerieren sie mir doch nicht, welch toller Hecht ich bin. Ich wundere mich sowieso, warum ihr Produzenten immer dann, wenn ein Produkt erfolgreich ist, es gleich in den Discountmärkten als sogenannte “Private Label” verramschen müsst. Kaum war Alsterwasser ein Erfolg, da gab es das auch schon in den Billigläden.

Jedes erfolgreiche Produkt wird abgekupfert und als so genannte Eigenmarke des Handels von der Industrie hergestellt. Die Käufer werden doch zu Schnäppchenjägern und Billigheimern erzogen. Der Verbraucher macht sich schon einen Spaß daraus, herauszufinden, welcher Markenartikel sich hinter der weißen Verpackung versteckt. Dumm sind die doch auch nicht.

Was würde denn der Einzelhandel machen, wenn ihr denen das Zeug nicht so billig geben würdet? Genau, mehr Markenartikel zu besseren Spannen verkaufen. Ich bleibe jedenfalls bei meinen Träumen und meinen Welten, schließlich haben findige Marketingstrategen sich das für mich ausgedacht, toll in Bilder umgesetzt und viel Geld in die Werbung gesteckt.

Ein Trost bleibt uns allen jedenfalls, ohne Marke gäbe es auch keine no names. Denkt einmal darüber nach und lastet nicht nur eure Kapazitäten mit Handelsmarken aus.

Bis zum nächsten Mal

Euer toller Hecht.
Viktor