Liebe Leser, in dieser Kolumne kommen Sie zu Wort. Schreiben Sie Viktor, er wird auch niemanden verraten. Großes Ehrenwuff!

Viktor

Giftalarm

Was hat man nicht alles über unser Geld gelesen. Infiziert, toxisch, also hochgiftig, soll es sein. Und das nicht in der „Apotheken Umschau“, sondern in den Wirtschaftsfachmagazinen (… lesen, was unser Geld krank macht).
Die Banken horten Berge von toxischen Papieren. Im Grunde können sie ihr „Papiergift“ schreddern oder verbrennen. Sie können aber auch diesen ganzen Schrott an den Staat verkaufen. Da liegt er dann in den Bad Banks oder sogar bei der EZB.
Und so entsteht eigentlich das einzige Volksvermögen, das wir wirklich haben: Schulden – nichts als Schulden. Das ist das Einzige, was uns Bürgern wirklich gehört. Klug gemacht von den Geldhaien. Erst zocken und dann den ganzen Mist nach unten durchreichen – zum Normalbürger.
Der aber hat ein feines Gespür für das, was da mit seiner Kohle passiert, und spannt den finanziellen Gürtel enger und spart. Dem steht nämlich mit seinem Haus, Auto oder sonstigen Krediten im Ernstfall keine Bad Bank zu Verfügung. Also macht er sich mit seinem Ersparten auf den Weg zum Sparkassenschalter.
Zweieinhalb Prozent bietet ihm der Sparkassenmensch auf sein giftfreies und obendrein echtes Geld. Da bekomm ich doch bei den privaten globalen Bank Playern einen guten Prozentpunkt mehr. Also hin zu einem der Big Player. Der Banker am Schalter dieser Giftpapiersammler fährt da schon andere Geschütze auf. Ganz heißer Tipp: „XY-Trallala-Anleihe auf die Republik Sowieso mit 4,9 Prozent Rendite und der ‚papierenen Garantie‘. Rückzahlung zu 100 Prozent zum Ende der Laufzeit, sofern kein Kreditereignis beim Referenzschuldner eintritt.“
Kreditereignis? Referenzschuldner? Da hatte ich doch etwas gelesen. Da kann mein giftfreies Geld aber ganz flott in der Tonne landen und toxisch werden. Die verhökern dann wieder diesen Schrott an eine Bad Bank, und ich schau in die Röhre. Soll ich jetzt auf die Bonität einer Republik Sowieso wetten? Und wo liegt die überhaupt? Ich dachte, die verkaufen solchen Schrott nicht mehr.
Was bekomme ich denn für echtes, sauberes Geld an Zinsen? Ach so, ja, da geben wir einen Prozentpunkt mehr als die Sparkasse. Ist denn mein Geld hier auch sicher? Was glauben Sie denn? Und mal unter uns: Wenn es einmal richtig eng wird, dann holen wir uns bei Frau Merkels ­Finanzminister Milliarden an Krediten und Bürgschaften ab und dann stampfen wir die Konkurrenz mit dieser Staatsknete in Grund und Boden. Und wenn das nicht hinhaut, dann lassen wir uns eben verstaatlichen. Ich sage nur: ­systemrelevant!
Also, wir tragen doch keine Euros nach Athen. Oder?

Euer Viktor