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Thema: Motivation Smiley-Ansteckknöpfe, XXL-Grinsen und jede Menge Büroklammern. Vom eigenen Engagement zur motivierenden Führung

von Stefan Häseli

Jeder Chef brennt für sein Unternehmen. Schließlich hat er es mit großem persönlichen Engagement aufgebaut und zu dem gemacht, was es heute ist. Doch leider sind nicht immer alle Mitarbeiter genauso motiviert. Doch wie lässt sich in der täglichen Unternehmenspraxis mit ihren vielen Herausforderungen das eigene Engagement in eine motivierende Führung übertragen? Diese Frage kann zu so mancher Absurdität in der Chefetage führen – so erfährt und erlebt das auch Hannes. Der 49-jährige studierte Betriebswirt ist Produktionsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung eines internationalen Industriekonzerns. Er gewährt einen Einblick, was auf der Managementetage so gedacht und getan wird – erst recht, wenn es um Motivation geht. Übrigens: Ein Schmunzeln aufgrund dieser Business-Satire ist hier durchaus erlaubt …

Auch Hannes hat es erwischt: Seine Mitarbeitenden sind nicht mehr motiviert. In seiner Abteilung ist die Mitarbeitermotivation laut der letzten Personalumfrage bereits zum zweiten Mal hintereinander gesunken. Diesmal sind es 0,4 Prozentpunkte weniger. Zwar ist das Niveau mit 86,491398 Prozent ziemlich ordentlich, aber Luft nach oben hat’s immer. Sagt der CEO. Man dürfe nie damit zufrieden sein, dass man zufrieden sei, meint er.
Im Grunde haben sich alle Mitarbeitenden über die Prozesse, das Arbeitsvolumen und auch die meisten anderen Punkte positiv geäußert. Es ist einzig das Kriterium „Ich fühle mich motiviert in meiner täglichen Arbeit“, dessen positive Spannung auf der Einstufungsskala etwas abgeschlafft ist.
Daher ist die Aussage präzise. Die Mitarbeitenden fühlen sich nicht mehr so stark motiviert. Die Devise von Hannes’ Chef ist ebenso klar: Sorgen Sie dafür, dass diese Zahl nächstes Jahr wieder höher ist, am liebsten um die 90 Prozent.

Ein Chef kann seine Mitarbeiter nicht motivieren, oder?

Hannes ist im ersten Moment etwas unsicher, was er tun soll. Irgendwann hat er gelernt, dass ein Chef seine Mitarbeiter nicht motivieren kann. Im besten Fall soll er sie in einer ersten Phase nicht demotivieren und dann ein Umfeld schaffen, in dem sich alle entwickeln und entfalten können. Das motiviert gemäß der Wissenschaft. Aber das greift erst langfristig. Hannes bleiben nur ein paar Monate, um den Motivationswert aufzuhübschen. Er muss also aktiv motivieren. Hannes wäre nicht Hannes, wenn er nicht geplant und strukturiert vorgehen würde.
Zuerst kauft er sich einen Stapel Motivationsbücher mit Titeln wie „Mitarbeiter motivieren in 30 Tagen“, „Gehe hin und motiviere“, „Die Steve-Jobs-Motivations-Methode“. Er zieht selbst einschlägige Literatur von ehemaligen Eishockey- und Fußballtrainern hinzu, die im Sport erfahren haben, wie man motiviert, und es nun für gutes Geld auf Tagungen und in Bestsellern weitergeben. Auf dem Sportfeld sind sie allerdings nicht mehr gefragt – vielleicht motivierten sie dort zu sehr. Wie auch immer: Hannes hat das Gelesene sauber strukturiert verinnerlicht und in seinen gewohnten Maßnahmenplan gesetzt.

Positives Gesicht und XXL-Grinsen

Er hat entschieden, dass er „think positive“ als Grundmotto für die Motivation einsetzt. Kurz bevor er ins Büro seiner Abteilung oder in die Fabrikationshalle seiner Produktionsinseln geht, schaut er in den Spiegel. „Positives Gesicht“ – ein XXL-Grinsen setzt er auf, nicht nur kurz, sondern permanent, bis er das Büro respektive die Fabrikationshalle wieder verlässt. Das strahlt aus. Genauso wie sein euphorisches „Hallo, einen schönen, tollen Morgen wünsche ich euch allen und den supergroßen Erfolg!“. In überschwänglicher Tonart in die Büroräume geworfen, soll es anstecken und Energie geben.

Im Fish-Motivationsvideo hat er gesehen, dass Fischewerfen motiviert. Hannes hat sich dazu einen Vorrat an Büroklammern gekauft. Beim Eintritt ins Großraumbüro seiner Innendienst-Equipe wirft er rein spaßeshalber immer eine Handvoll Büroklammern in die Luft. Die Adressaten dieser Nachricht wird die Botschaft wohl erreichen – obwohl sie es noch nicht schaffen, die Freude daran auch zu zeigen.

Hannes trägt neu auch Smiley-Ansteckknöpfe am Hemd. Das steckt an, buchstäblich. Er begrüßt jeden Tag einen Mitarbeiter per Handschlag und wünscht ihm einen ganz besonderen Tag. Selbstverständlich verschickt er in der Mittagspause per E-Mail an alle eine positive Tagesnachricht. „Es geht nicht ums Gewinnen, es geht ums Kämpfen. Packen wir es an!“ Oder: „Jeder Tag ist der beste Tag, ganz besonders der heutige.“ Oder ein schlichtes „Die Welt ist schön“. Auch hier spürt er den Erfolg nicht unmittelbar. Rückmeldungen bleiben noch aus. Nun, erfolgreich muss es ja nicht sofort sein, es muss erst in ein paar Monaten wirken – bei der nächsten Mitarbeiterumfrage. …

Die vollständige Redaktion finden Sie in unserer Print-Ausgabe 10/2019